Naturschutz aktuell NABU-Pressedienst Thüringen
23.04.2010

Nationalparke sind keine Tabuzonen

NABU Thüringen bemängelt unsachliche Diskussion um Entwicklungsnationalpark Vessertal

In der Diskussion um einen Entwicklungsnationalpark im Vessertal wird laut NABU Thüringen viel zu oft unsachlich argumentiert. „Es stimmt einfach nicht, dass es in einem Nationalpark keinerlei Nutzung mehr gibt und dass generell keine Pilze und Blaubeeren mehr gesammelt werden dürfen", erklärt Hartmut Kempf vom NABU Thüringen.

„In vielen Nationalparken ist das Betreten sogar abseits der Wege selbst in großen Teilen der sogenannten Kernzone erlaubt und wird auch dementsprechend beworben. Nur in besonders sensiblen Teilbereichen ist es wichtig, auf den Wegen zu bleiben. Somit kommt es kaum zu Einschränkungen für Naturliebhaber“, so Kempf. Auch das oft verbreitete Gerücht in den Parken finde keine Bewirtschaftung statt, wiederlegt Hartmut Kempf. Nicht die gesamte Nationalparkfläche, sondern lediglich eine – im Falle des Vessertales knapp 10.000 ha große – Kernzone soll allmählich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten entwickelt und aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen werden. „Auf einem Viertel der Fläche in Nationalparken dürfen weiterhin Bergwiesen gepflegt oder Skilifte gebaut werden."

Neben der Etablierung eines Nationalpark von 13.000 Hektar müsste auch das Biosphärereservat auf eine Mindestgröße von 30.000 Hektar erweitert werden. Kempf sieht in dieser Erweiterung die Chance, dass das Reservat mit diesem Zuwachs seinen Biosphärenreservatsstatus beibehalten kann. Da sich die forstwirtschaftsfreie Kernzone fast zu 100% im vorhandenen Staatswald realisieren lässt, gibt es keine Grundlage für die Annahme, private oder kommunale Waldbesitzer müssen um ihren Besitz oder dessen Erträge bangen.

Hartmut Kempf erklärt abschließend: „Natürlich müssen die Menschen vor Ort in den Diskussionsprozess um einen Entwicklungsnationalpark einbezogen werden. Diese Diskussion darf aber nicht einseitig geführt und von persönlichen Feindbildern Einzelner geprägt werden. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass ein Nationalpark ein Zugewinn für die ganze Region sein kann, wenn alle an einem Strang ziehen und gemeinsame Konzepte entwickeln.“



Herausgeber: NABU Thüringen, Leutra 15, 07751 Jena
Redaktion: NABU-Pressestelle Thüringen, Kirsten Schellenberg (verantwortlich)
Tel. 0 36 41-60 57 04 | Fax -21 54 11 | E-Mail: lgs@NABU-Thueringen.de