Thüringen.NABU.de Themen Amphibienwanderung

Amphibienwanderung

Frösche, Kröten und Molche auf Wanderschaft

Infos zur Amphibienwanderung

Erdkrötenpaar am Schutzzaun

Ein Erdkrötenpaar auf dem Weg vom Winterquartier zum Laichgewässer. Das kleinere Männchen sichert sich durch Umklammern des Weibchens seinen Partner.

Seit Jahren gibt es vielfältige Aktivitäten, um dem drastischen Bestandsrückgang der Amphibien und der Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen entgegenzuwirken. Im März heißt es dann: Schutzzäune aufbauen, wo es keine dauerhaften Schutzeinrichtungen gibt. Allein von NABU-Gruppen werden in Thüringen über 30 Schutzzäune mit einer Länge von insgesamt 15.000 m betreut. Der Auf- und Abbau dieser Amphibienleiteinrichtungen geschieht oft in Zusammenarbeit mit Umweltämtern, Landschaftspflegeverbänden, Schulen und Anwohnern. Neben diesen Aktivitäten hilft der NABU unseren Lurchen mit dem Anlegen von Laichgewässern. Wer selbst zur Rettung der Amphibien beitragen möchte, kann die jeweilige NABU-Gruppe vor Ort kontaktieren. Jede helfende Hand ist herzlich willkommen!

Schutzstatus
In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände weltweit dramatisch zurückgegangen, in Deutschland ist rund ein Drittel der beheimateten Amphibienarten vom Aussterben bedroht oder im Bestand gefährdet. Seit 1980 sind daher alle Amphibienarten in der Bundesartenschutzverordnung enthalten und stehen unter besonderem Schutz. In Thüringen bilden fünf Schwanzlurch- und 13 Froschlurcharten die Amphibienfauna. In der Roten Liste Thüringens sind 12 Amphibienarten aufgeführt. Davon ist die Rotbauchunke ausgestorben oder verschollen (seit 1992). Die Gelbbauchunke, die in Thüringen ihre nordöstliche Verbreitungsgrenze erreicht, und die Wechselkröte sind vom Aussterben bedroht.

Allgemeine Informationen zur Amphibienwanderung
Amphibien sind wechselwarme Wirbeltiere, die sowohl auf dem Land als auch im Wasser leben können. Im Jahresverlauf sind sie auf verschiedene Lebensräume angewiesen. Zur kalten Jahreszeit, in der ihre Bewegungsaktivität eingeschränkt ist, ziehen sie sich in ihre Winterquartiere zurück. Zur Fortpflanzung werden die Wasserlebensräume aufgesucht. Den Sommer verbringen sie vorwiegend an Land. Zwischen den jeweiligen Lebensräumen finden Wanderbewegungen statt, die während der Hauptlaichzeit im Frühjahr besonders intensiv sind. Nach der Winterruhe beginnt die Wanderung zu den Laichgewässern. Voraussetzung ist, dass es keinen Bodenfrost mehr gibt. Die günstigsten Bedingungen sind Bodentemperaturen über 5 ºC, regnerisches Wetter und einsetzende Dämmerung. Die Amphibien legen auf ihrem Wanderweg zum Teil Entfernungen von mehreren Kilometern zurück, die Erdkröte, beispielsweise, bis zu 2.200 m. Nicht selten werden große Strecken in mehrtägigen Etappen absolviert.

Überfahrene Erdkröte

Bei der Wanderung zum Laichgewässer überfahrene Erdkröte.

Gefährdungspotenzial durch den Menschen
Zu den wichtigsten Störfaktoren für unsere Amphibien gehören die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Strukturwandel in der Land- und Forstwirtschaft. Schädliche Einflüsse auf die Laichplätze entstehen durch Beseitigung der Laichgewässer, Uferverbauung, Gewässerregulierungen sowie durch fischereiliche Nutzung. Eine zunehmende Gefährdung stellt der Ausbau des Straßennetzes und die wachsende Verkehrsdichte dar. Einem uralten Instinkt folgend zieht es die Amphibien zu ihrem Gewässer, dem Teich, See oder Tümpel, in dem sie als Kaulquappen ihr Leben begannen. Auf ihrem gewohnten Wanderweg geraten sie in ein tödliches (Straßen-) Netz. Besonders gefährdet sind Arten mit einem hohen Aktionsradius. Das betrifft vor allem die Erdkröte, Grasfrosch, Springfrosch, Feuersalamander, Bergmolch und Teichmolch. Eine Erdkröte, z. B., braucht 10 - 20 Minuten, um eine 15 m breite Straße zu überqueren. Auch wenn die Tiere nicht unter, sondern "nur" zwischen die Räder kommen, können sie bei Fahrgeschwindigkeiten von über 30 km/h den Luftverwirbelungen, die unter dem Auto entstehen, nicht standhalten. Traurige Bilanz: Alljährlich sterben mehrere tausend Amphibien den Straßentod.

Schutzzaundatenbank
Weitere Informationen zum Amphibien- und Reptilienschutz liefert die Internetseite www.amphibienschutz.de. Diese beinhaltet auch eine Schutzzaundatenbank, welche genauere Ergebnisse der einzelnen Standorte, wie Arten, Anzahl und Zaunlänge enthält. Alle aktiven Naturschützer sind aufgerufen, dort ihre Zaunstandorte einzugeben, um einen wirklichen Überblick über die Schutzmaßnahmen in Thüringen zu erhalten.

mehr Zum Landesfachausschuss Amphibien und Reptilien

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