Thüringen.NABU.de Projekte Werraquerung
Wertvolle Salzwiesen und Brutvögel in Gefahr
Wertvolle Salzwiesen und Brutvögel in Gefahr
Werraaue bei Bad Salzungen durch Neutrassierung der B 62 bedroht
Rund um den Erlensee bei Bad Salzungen befindet sich die wertvollste, großflächig unzerschnittene Wiesenlandschaft der Südthüringer Werraaue mit landesweiter Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Bereits 1990 wurden deshalb hier ein Naturschutzgebiet (NSG) „Erlensee-Salzwiesen" und ein Landschaftsschutzgebiet „Werraaue" einstweilig gesichert. Hier sind nicht nur seltene Pflanzenarten wie Trollblume, Breitblättriges Knabenkraut und verschiedene Salzpflanzen zu finden. Allein 77 Brutvogelarten, mehrere bedrohte Insekten-, Lurch- und Kriechtierarten haben hier ihren Lebensraum. Insbesondere wegen bedeutender Vorkommen von Weißstorch, Wachtelkönig, Blaukehlchen und Eisvogel gehört das Gebiet zum Important Bird Area (IBA) „Werraaue bei Bad Salzungen“. Die Aue ist in Teilen als FFH- sowie als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Vielfältige Bedrohungen
Beachtliche Teile des geplanten NSG werden dem Kiesabbau zum Opfer fallen und die Neutrassierung der Bundesstraße 62 soll das Gebiet durchqueren. Im Interesse einer vernünftigen Lösung der Verkehrsprobleme für die Anwohner entlang der vorhandenen Bundesstraße hat der NABU seit 1991 eine Kompromissvariante unterstützt, die zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium vereinbart wurde.
Straßenbauamt ohne Rücksicht auf Natur
Allerdings ist die Straßenbauverwaltung 1998 von diesem Kompromiss abgewichen, um ohne Rücksicht auf die Belange von Natur und Landschaft die billigste Lösung einer Werraquerung der B 62 durchzusetzen. Sämtliche Hinweise des NABU aber auch des Landesnaturschutzbeirates zu Trassierung und Ausgestaltung der Werraquerung im Vorfeld des Planfeststellungsverfahrens wurden ignoriert. Seit Februar läuft das Planfeststellungsverfahren zum Vorhaben. Die Naturschutzbeiräte des Wartburgkreises, des Thüringer Landesverwaltungsamtes sowie des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt haben sich bereits klar gegen das Vorhaben in der vorliegenden Form ausgesprochen.
Zerschneidung seltener Biotope
Die Werraquerung zerschneidet mit Vorzugsvariante 1a das geplante und bereits mehrfach sichergestellte Naturschutzgebiet „Erlensee-Salzwiesen". Beeinträchtigungen von NATURA 2000 Gebieten können nicht ausgeschlossen werden. In der Überflutungsaue sind fast durchgehende Dammbauten bis zu 10 m Höhe geplant, angrenzende Hochflächen erhalten 15 m tiefe Einschnitte. Zahlreiche Rechtsnormen des Umwelt- und Planungsrechtes werden unzureichend berücksichtigt.
NABU schlägt Kompromiss vor
Ein raum- und umweltverträglicher Neubau der B 62-Werraquerung ist in diesem sensiblen Abschnitt der Werraaue nach unserer Ansicht nur dann möglich, wenn
- die Straße in der Werra-Aue so weit wie möglich aufgeständert wird (Dammschüttungen auf absolutes Mindestmaß beschränkt) und
- die Trasse eine Linienführung südöstlich der Witzelrodaer Schweiz erhält.
Naturschutzverbände gegen derzeitige Vorzugsvariante
Der NABU und weitere Thüringer Naturschutzverbände wenden sich in ihren schriftlichen Stellungnahmen zum Bauvorhaben „B 62 Werraquerung" im seit Februar 2006 laufenden Planfeststellungsverfahren gegen die derzeitige Vorzugsvariante der Trasse. In Anbetracht der Vorgeschichte ist es jedoch wahrscheinlich, dass die Straßenplaner nur auf juristischen Druck aus den Verbänden einlenken, der leider eine Menge Geld kostet.

NABU Regional
Service
E-Cards
Podcasts
Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.
Desktopmotive
Verbandsnetz
Projektförderung
Das Projekt zum Schutz der Werraaue wird unterstützt von der Naturstiftung David. Mehr
