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Wertvolle Salzwiesen und Brutvögel in Gefahr
Wertvolle Salzwiesen und Brutvögel in Gefahr
Werraaue bei Bad Salzungen durch Neutrassierung der B 62 bedroht
Rund um den Erlensee bei Bad Salzungen befindet sich die wertvollste, großflächig unzerschnittene Wiesenlandschaft der Südthüringer Werraaue mit landesweiter Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Bereits 1990 wurden deshalb hier ein Naturschutzgebiet (NSG) „Erlensee-Salzwiesen" und ein Landschaftsschutzgebiet „Werraaue" einstweilig gesichert.
Vielfältige Bedrohungen
Beachtliche Teile des geplanten NSG werden dem Kiesabbau zum Opfer fallen und die Neutrassierung der Bundesstraße 62 soll das Gebiet durchqueren. Im Interesse einer vernünftigen Lösung der Verkehrsprobleme für die Anwohner entlang der vorhandenen Bundesstraße hat der NABU seit 1991 eine Kompromissvariante unterstützt, die zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium vereinbart wurde.
Straßenbauamt lange ohne Rücksicht auf die Natur
Allerdings ist die Straßenbauverwaltung 1998 von diesem Kompromiss abgewichen, um ohne Rücksicht auf die Belange von Natur und Landschaft die billigste Lösung einer Werraquerung der B 62 durchzusetzen. Sämtliche Hinweise des NABU aber auch des Landesnaturschutzbeirates zu Trassierung und Ausgestaltung der Werraquerung im Vorfeld des Planfeststellungsverfahrens wurden ignoriert. Seit Februar 2006 läuft das Planfeststellungsverfahren zum Vorhaben. Die Naturschutzbeiräte des Wartburgkreises, des Thüringer Landesverwaltungsamtes sowie des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt haben sich bereits klar gegen das Vorhaben in der 2006 beantragten Form ausgesprochen.
Zerschneidung seltener Biotope
Die Werraquerung zerschneidet mit Vorzugsvariante 1a das geplante und bereits mehrfach sichergestellte Naturschutzgebiet „Erlensee-Salzwiesen". Beeinträchtigungen von NATURA 2000 Gebieten können nicht ausgeschlossen werden. In der Überflutungsaue sind fast durchgehende Dammbauten bis zu 10 m Höhe geplant, angrenzende Hochflächen erhalten 15 m tiefe Einschnitte. Zahlreiche Rechtsnormen des Umwelt- und Planungsrechtes werden unzureichend berücksichtigt.
NABU schlägt Kompromiss vor
Ein raum- und umweltverträglicher Neubau der B 62-Werraquerung ist in diesem sensiblen Abschnitt der Werraaue nach unserer Ansicht nur dann möglich, wenn
- die Straße in der Werra-Aue so weit wie möglich aufgeständert wird (Dammschüttungen auf absolutes Mindestmaß beschränkt) und
- die Trasse eine Linienführung südöstlich der Witzelrodaer Schweiz erhält.
Naturschutzbelange doch berücksichtigt?
Der NABU und weitere Thüringer Naturschutzverbände wandten sich in ihren schriftlichen Stellungnahmen zum Bauvorhaben „B 62 Werraquerung" im Planfeststellungsverfahren von 2006 gegen die damalige Vorzugsvariante der Trasse. Bis zum Sommer 2009 wurden die Einwände jedoch ignoriert und die Straßenbauverwaltung versuchte, das Vorhaben durch ergänzende Gutachten und „kosmetische“ Veränderungen rechtssicher zu gestalten. Aus unserer Sicht ein aussichtsloses Unterfangen, was wir mit einem Banner am Werratal-Radweg und Schreiben an beteiligte Behörden deutlich machten. Der NABU-Präsident Olaf Tschimpke bekräftigte bei einem Besuch vor Ort unsere Kritik und die Bereitschaft notfalls auch juristischen Druck auszuüben. Seit Herbst 2009 sendet das zuständige Straßenbauamt plötzlich Signale der Kooperationsbereitschaft. Inzwischen scheinen unsere Kernforderungen nach einer naturverträglichen Trassierung erfüllt zu werden. Nun heißt es, bis zum Erreichen eines rechtskräftigen Planfeststellungsbeschlusses aktiv und wachsam zu bleiben, um neuerliche Verschlechterungen für die Werraaue zu verhindern.

NABU Regional
Projektförderung
Das Projekt zum Schutz der Werraaue wird unterstützt von der Naturstiftung David. Mehr
